Der Hersteller Walberg Urban Electrics hat sich mit seinen hochwertigen E-Scootern einen Namen in der Szene gemacht. Mit den Marken EGRET* und THE-URBAN* hat man auch direkt vier E-Scooter mit Straßenzulassung am Start, welche ab ca. Ende Juni/Anfang Juli ausgeliefert werden.

Ich habe die Möglichkeit genutzt und dem CEO Florian Walberg ein paar Fragen gestellt. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Florian, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit nimmst, um uns ein paar Fragen zu beantworten.

Na klar, sehr gerne!

Du warst fr√ľher Musiker und hast dann angefangen Roller zu bauen. Wie kommt man auf diese verr√ľckte Idee?

Eigentlich war es gar nicht so eine verr√ľckte Idee. Ich war als Tour Manager und Tourneeveranstalter in den gr√∂√üten Hallen Europas und Asiens unterwegs. Die Strecken, die ich dabei t√§glich zur√ľckgelegt habe, waren enorm. Irgendwann bekam ich einen Elektroroller geschenkt, der mein Leben sehr viel leichter gemacht hat. Ich habe also ganz praktisch als Nutzer angefangen.

Leider war der Roller regelm√§√üig defekt und ich hatte nicht immer die M√∂glichkeit, ihn einzuschicken oder vor Ort reparieren zu lassen. Also habe ich begonnen, mich selbst mit dem Thema zu besch√§ftigen. Habe ich mich anfangs nur an kleinere Reparaturen getraut, lag ich bald schon dem Hersteller mit meinen Verbesserungsvorschl√§gen in den Ohren. Der war irgendwann von meiner Besserwisserei so genervt, dass er meinte: Dann mach es doch selbst. Von da an war ich als Dienstleister f√ľr Entwicklung, Produktion und Zulassung t√§tig.

Nach knapp 10 Jahren war f√ľr mich aber klar: Meinen eigenen hohen Qualit√§tsanspruch kann ich nur mit meinem eigenen Unternehmen realisieren, also habe ich 2011 Walberg Urban Electrics gegr√ľndet.

Hast du Maschinenbau studiert oder woher hast du die Fähigkeiten einen Roller zu zerlegen, ihn zu reparieren und dann sogar noch weiterzuentwickeln?

Nein, ich habe tatsächlich nicht Maschinenbau studiert, sondern mir mein gesamtes Wissen selbst angeeignet. Ich will einfach Dinge verstehen und hatte von vornherein keine Angst, Fragen zu stellen und Dinge auszuprobieren.

Hast du etwas aus deiner Zeit als Musiker mitgenommen, was dich heute als Unternehmer weiterbringt. Wenn ja, was genau ist das?

Mein Alltag in der Musikbranche sah nat√ľrlich sehr anders aus, als alles das was ich jetzt mache. Aber die Prinzipien im Verkaufen und der Anspruch an viele Bereiche dieser Industrie sind unabh√§ngig von der Branche √ľberall die gleichen. Z.B. kannst Du kein Unternehmen skalieren, ohne das richtige Team dahinter. Ein schlagkr√§ftiges Team braucht starke Charaktere ‚Äď die zu f√ľhren ist eine recht anspruchsvolle Aufgabe. Dabei ist es egal ob das Team eine Band, eine Konzertagentur oder eine Firma ist, die Roller herstellt. Auch das Arbeiten mit Medien ist relativ √§hnlich. Als Musiker oder Veranstalter bist du genauso auf das Arbeiten mit Medien angewiesen wie im Umfeld der Vermarktung eines Rollers. Da habe ich nat√ľrlich ein wenig Erfahrung mitgebracht. Man darf aber auch nicht vergessen, dass ich ca. 5 Jahre in der Musikbrache aktiv war und jetzt seit fast 20 Jahren Roller herstelle.

Du hast eine Arbeitsgruppe innerhalb eines technischen Komitees in Br√ľssel initiiert. Was genau hat es damit auf sich? Wie kann man sich deine Arbeit da vorstellen?

Als ich 2011 Walberg Urban Electrics gegr√ľndet habe, war mir nat√ľrlich bewusst, dass ich ein Produkt entwickle, produziere und vertreibe, das zu diesem Zeitpunkt noch in ganz Europa nicht zugelassen war. Ich dachte: Das √§ndere ich! Da es die Fahrzeugkategorie der Personal Light Electric¬†Vehicles (kurz: PLEV) noch gar nicht gab, musste ich tats√§chlich ganz oben anfangen.

Ich habe also eine Arbeitsgruppe aus technisch versierten Personen verschiedenen L√§ndern zusammenstellen k√∂nnen, mit der zusammen ich den technischen Standard f√ľr die Fahrzeugkategorie definiere. Ich sorge in diesem Kreis daf√ľr, dass das, was wir da tun nicht den Bezug zur Realit√§t verliert. Ich nutze, entwickle, baue und verkaufe diese Fahrzeuge, das hei√üt, ich wei√ü, wie diese Fahrzeuge in der Praxis genutzt werden, was die Endkunden erwarten und was in den Produktionen wirklich umsetzbar ist.

Warum ist es in Deutschland so schwierig ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden. Andere Länder sind uns da weit voraus. Woran liegt das?

Wir sind in Deutschland leider viel zu oft ziemlich reserviert gegen√ľber Innovation. Nach dem Motto: Es ist doch ganz gut so, wie es ist ‚Äď wer wei√ü, was passiert, wenn wir das √§ndern.

Und so sehr wir auch immer dar√ľber meckern, diese Z√∂gerlichkeit hat auch etwas Gutes. W√§hrend es in anderen L√§ndern keine Regulierungen gibt und Anbieter die St√§dte √ľberschwemmen, nehmen wir uns einen Moment Zeit nachzudenken und Dinge langsam angehen zu lassen. Das dauert nat√ľrlich wahnsinnig lange, gleichzeitig ist aber das Risiko dadurch geringer, die breite Masse mit der Innovation zu √ľberfordern. Ich bin aber letztendlich froh, wenn die Verordnung endlich in Kraft tritt, wir haben jetzt wirklich lange genug gewartet.

Was sollte sich √§ndern und was sind deine W√ľnsche f√ľr die Zukunft?

Wenn ich mir etwas w√ľnschen d√ľrfte, dann dass Elektroroller ‚Äď wie Pedelecs ‚Äď in Deutschland eine H√∂chstgeschwindigkeit von 25 km/h zugestanden wird und keine zus√§tzliche Versicherungspflicht eingefordert wird. Dazu m√ľssten wir es schaffen, dass Elektroroller nicht als Kraftfahrzeug, sondern als Fahrrad im Gleichlauf mit den Pedelecs definiert werden. Hier steckt der Teufel nat√ľrlich im Detail, was den Rahmen dieses Interviews sprengen w√ľrde.

Letzte Frage: Kannst du einen Blick in die Glaskugel werfen und uns verraten, was wir in Zukunft noch von euch erwarten d√ľrfen?

Mit der Urban Electrics werden wir in den n√§chsten Jahren der gr√∂√üte B2B-Partner f√ľr kompakte Mobilit√§t in Europa sein und mit unseren Marken laufend neue Fahrzeuge anbieten. Auch Fahrzeuge zum Sharing sind f√ľr uns ein riesen Thema. Die aktuellen Roller sind f√ľr den Privatgebrauch konzipiert, f√ľr Sharing und Flotten gilt es anderen Anforderungen gerecht zu werden, hier werden wir die ersten Fahrzeuge im sp√§ten Sommer anbieten k√∂nnen.

Wir sind nat√ľrlich auch mit diversen Kooperations- und Entwicklungspartnern im Gespr√§ch, ihr d√ľrft durchaus gespannt sein.

Vielen Dank f√ľr das Interview!

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